Zum Inhalt springen
Home » 3. März – Welttag des Artenschutzes

3. März – Welttag des Artenschutzes

  • 4 Min. Lesezeit

Der neue Artikel-17-Bericht 2025: Wo Österreichs Natur besonders unter Druck steht

Am heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes rückt weltweit in den Fokus, was oft im Alltag untergeht: Artenvielfalt ist keine „Nice-to-have“- Kulisse, sondern unsere Lebensgrundlage. Der Tag erinnert an das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) und steht für den Schutz und Erhalt wildlebender Tier- und Pflanzenarten vor allem dort, wo wirtschaftliche Interessen sie bedrohen. So lohnt sich der nüchterne Blick auf die Fakten. Mit dem am 20. November 2025 an die Europäische Kommission übermittelten Artikel-17-Bericht (Periode 2029-2024), der die sechsjährliche EU‑Berichtspflicht der Mitgliedstaaten zum Erhaltungszustand geschützter Arten (Anhänge II, IV, V) und Lebensraumtypen (Anhang I) umfasst, liegt die aktuelle Bewertung des Erhaltungszustands der nach FFH-Richtlinie geschützten Arten und Lebensraumtypen vor. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache – und sie betreffen Arten und ihre Lebensräume gleichermaßen.

Was der Artikel-17-Bericht sichtbar macht

Aus den aktuellen österreichischen Einstufungen ergibt sich ein nüchternes Bild: In der alpinen Region erreichen nur rund 23% der Arten einen günstigen Zustand (FV), in der kontinentalen Region nur rund 15%. Der Rest liegt überwiegend in unzureichend (U1) oder schlecht (U2) – also klar im Problemfeld. In der kontinentalen Region sind nur rund 11% der Lebensraumtypen als günstig eingestuft; fast die Hälfte erhält die Einstufung “schlecht (U2)”.

Der „günstige Erhaltungszustand“ (FCS, Favourable Conservation Status) ist das Ziel und damit ein zentraler Begriff der FFH-Richtlinie. Der Erhaltungszustand wird als „günstig“ betrachtet, wenn aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art nimmt weder ab, noch wird es in absehbarer Zeit abnehmen. Ein genügend großer Lebensraum ist dabei vorhanden und wahrscheinlich weiterhin vorhanden, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern.

Konkrete Beispiele: Von Laubfrosch bis Feldhamster

Ein paar bekannte Arten illustrieren die Ernsthaftigkeit:

  • Laubfrosch (Hyla arborea): in beiden Regionen als ungünstig-schlecht bewertet (U2)
  • Kammmolch (Triturus cristatus): in beiden Regionen als ungünstig-schlecht bewertet (U2)
  • Feldhamster (Cricetus cricetus): kontinental als ungünstig-schlecht bewertet (U2)

Während beim Luchs (Lynx lynx) in alpiner wie kontinentaler Region der Erhaltungszustand insgesamt als schlecht (U2) eingestuft wird und auch der einst ausgerottete Braunbär (Ursus arctos) in der alpinen Region weiterhin mit U2 eingestuft wird, sind beim Wolf (Canis lupus) zentrale Parameter wie die Population als unzureichend (U1) bewertet und die Gesamtbewertung als nicht evaluiert (N.E.) ausgewiesen. Beim Goldschakal (Canis aureus) fehlen für Verbreitung und Bestandsgröße überhaupt belastbare Daten (XX), ebenfalls ohne Gesamtbewertung.

Mit anderen Worten: Für mehrere große Beutegreifer ist der Erhaltungszustand entweder eindeutig problematisch oder die Datengrundlage unzureichend. Vor diesem Hintergrund sind Abschüsse politisch wie fachlich höchst fragwürdig. Erst belastbare Daten und ein gesicherter günstiger Erhaltungszustand schaffen die Grundlage für Eingriffe – nicht umgekehrt.

Gewässer und Moore: Wenn der Lebensraum leidet, leiden die Arten

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Lebensraumtypen. Rund 70 Prozent befinden sich in keinem günstigen Zustand. Mehr als 40 Prozent befinden sich sogar in der schlechtesten Kategorie U2. Nur knapp ein Drittel erreicht zumindest regional den günstigen Erhaltungszustand.

Arten und Lebensräume erzählen damit dieselbe Geschichte: Der Handlungsbedarf ist groß. Besonders deutlich wird die Problematik bei den Gewässerarten. Die Flussperlmuschel, die Gemeine Bachmuschel oder der Huchen sind weiterhin im schlechten Erhaltungszustand. Auch Fischarten wie Sterlet, Frauennerfling oder Donau-Steinbeißer zeigen deutliche Defizite. Unter den Amphibien sind der kleine Wasserfrosch, der Springfrosch und der Kammmolch vom Aussterben bedroht.

Moore gehören zu den großen Sorgenkindern des Berichts. Lebende Hochmoore, Übergangs- und Schwingrasenmoore sowie kalkreiche Niedermoore werden überwiegend als ungünstig bewertet. Entsprechend schlecht steht es um typische Moorarten. Der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, das Moor-Wiesenvögelchen oder der Goldene Scheckenfalter befinden sich im U2-Zustand. Auch das Firnisglänzende Sichelmoos zeigt deutliche Defizite. Moore sind jedoch nicht nur Biodiversitäts-Hotspots, sondern auch bedeutende Kohlenstoffspeicher. Ihr schlechter Zustand betrifft daher Artenvielfalt und Klimaschutz gleichermaßen.

Artenschutztag in den Medien: Alarm aus der Wissenschaft

Passend zum Artenschutztag meldet sich der Österreichische Biodiversitätsrat deutlich zu Wort: Der Artenverlust schreite weiter voran – und die Politik habe zuletzt „nahezu nichts“ getan, um effektiv gegenzusteuern. Im aktuellen Barometer des Expert:innengremiums steht erstmals keine einzige Ampel auf Grün. Genannt werden unter anderem: die Forderung, Biodiversität endlich als politische Priorität zu behandeln, massive Budgetkürzungen im Naturschutz (der Biodiversitätsfonds sei stark reduziert worden) und ein Stocken bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung und zu wenig Einbindung relevanter Akteure außerhalb von Verwaltung und Politik.

Am Welttag des Artenschutzes wird deutlich: Der Zustand unserer Natur ist messbar – und er zeigt erheblichen Verbesserungs- und Handlungsbedarf.

Quellen:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1772491674094&uri=CELEX%3A01992L0043-20250714#anx_I

https://www.news.at/politik/biodiversitatsrat-kritisiert-politik-in-sachen-naturschutz-1772459112

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

×