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Schweiz: 89 Wolfsabschüsse in vier Monaten – nutzt das etwas?

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In der Schweiz ist die Regulierungsphase beendet: Zwischen September und Ende Januar wurden 89 Wölfe abgeschossen. Die zentrale Frage bleibt aber offen: Sinkt dadurch das Risiko für Nutztiere tatsächlich – oder wird vor allem ein politisches Signal gesetzt? Selbst kantonale Behörden räumen ein, dass die Wirkung nicht eindeutig ist: In der Waadt wurden trotz zehn Abschüssen weiterhin hohe Risszahlen gemeldet. Naturschutzorganisationen fordern deshalb eine echte Wirkungskontrolle und verweisen darauf, dass die Risszahlen teils bereits vor Beginn der Abschüsse zurückgingen. Und selbst Befürworter sprechen davon, dass es für belastbare Erkenntnisse noch mehrere Jahre Daten braucht.

Warum ist das für Österreich relevant? Weil im Entwurf der geplanten Leitlinie zum Vollzug des Tierschutzgesetzes Abschuss ausdrücklich als „Herdenschutzmaßnahme“ mitgedacht wird – parallel zu einer Logik, die Herdenschutz vielfach als „nicht möglich“ oder „unzumutbar“ erklärt und Behörden erst nach Schadenseintritt (teils nach mehreren Rissen) zum Handeln drängt. Das ist aus Tierschutzsicht ein gefährlicher Kurswechsel: Der tierschutzrechtliche Mindeststandard wird nicht präventiv abgesichert, sondern nachträglich verwaltet. Gleichzeitig wird der Eindruck erzeugt, Entnahme könne strukturell die Aufgabe übernehmen, die eigentlich dem Herdenschutz und dem konsequenten Tierschutzvollzug zukommt.

Die Schweizer Zahlen zeigen genau das Problem: Abschüsse sind ein schwerer Eingriff – aber ihre behauptete „Herdenschutzwirkung“ ist ohne transparente, nachvollziehbare Wirkungskontrolle nicht belegt. Wenn man daraus dennoch eine Vollzugslogik ableitet, die Prävention schwächt und Abschuss normalisiert, verschiebt man den Tierschutzstandard in die falsche Richtung. Ein seriöser Ansatz müsste das Gegenteil leisten: klare Präventionsziele, verlässliche Finanzierung von Herdenschutz, risikobasierte Priorisierung (z. B. anhand von Konflikt- und Hot-Spot-Modellen) und eine verpflichtende Wirkungskontrolle – statt einer Leitlinie, die Vollzug verzögert und Verantwortung wegdefiniert.

Mehr Informationen finden Sie hier im Schwiezer Bauer!

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