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Der Abschuss eines Wolfs im Pitztal ohne vorherige Abschussverordnung ist aus Sicht von ANCA kein Einzelfall, sondern Teil einer jahrelang vorbereiteten politischen Entwicklung, deren Ziel faktisch die erneute Verdrängung und Ausrottung des Wolfs in Österreich ist. Gleichzeitig wird der Wolf zum politischen Sündenbock gemacht, der von den tatsächlichen Problemen der Landwirtschaft ablenkt.
Seit Jahren fordern politische und landwirtschaftliche Vertreter in Tirol, Rudelbildungen zu verhindern, wolfsfreie Weidegebiete zu schaffen und die Hürden für Abschüsse immer weiter zu senken. Mit der Änderung des Tiroler Jagdgesetzes wurde 2026 schließlich unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Abschuss ohne vorherige Abschussverordnung ermöglicht. Im September wurde im Pitztal tatsächlich ohne bestehende Abschussverordnung geschossen.
Für ANCA ist diese Entwicklung keine zufällige Folge einzelner Entscheidungen: Wer Rudel verhindern, große Gebiete wolfsfrei halten und gleichzeitig Abschüsse immer weiter erleichtern will, betreibt keine Politik zur Erhaltung einer stabilen Wolfspopulation. Er arbeitet auf ihr Verschwinden hin.
Dabei bestehen die europäischen Schutzverpflichtungen weiterhin. Der Wolf bleibt trotz seiner Verschiebung in Anhang V der FFH-Richtlinie unionsrechtlich geschützt. Der Europäische Gerichtshof stellte im Tiroler Wolfsverfahren 2024 zudem fest, dass sich die Wolfspopulation in Österreich damals nicht in einem günstigen Erhaltungszustand befand.
„Die europäischen Vorgaben sind bekannt. Trotzdem wird politisch seit Jahren daran gearbeitet, Verfahren zu verkürzen, Schutzstandards auszuhöhlen und Abschüsse zu normalisieren. Aus unserer Sicht steht diese Politik in fundamentalem Konflikt mit dem Schutzgedanken des europäischen Natur- und Artenschutzrechts“, sagt Andrea Hagn, Pressesprecherin von ANCA.
Gleichzeitig lenke die Debatte vom eigentlichen politischen Versagen ab: Betriebsaufgaben, wirtschaftlicher Druck, Bürokratie, psychische Belastungen und Klimafolgen würden durch keinen Wolfsabschuss gelöst. „Einen Wolf kann man erschießen. Strukturprobleme nicht.“ Der Wolf werde zum perfekten politischen Bauernopfer: sichtbar, emotional und einfach zum Feindbild zu erklären.
„Erst hieß es: keine Rudel. Dann kamen Weideschutzgebiete und Pufferzonen, immer niedrigere Abschusshürden und der ‚Schuss auf Sicht‘. Jetzt wird ohne vorherige Abschussverordnung geschossen und der Abschuss als Prävention verteidigt. Aus unserer Sicht ist das keine unbeabsichtigte Entwicklung mehr. Diese Politik hat die erneute Ausrottung des Wolfs zum Ziel. Und der Wolf ist nur der Anfang, als nächstes folgt der Bär.“
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