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Artenschutz unter Lobbydruck: Wie viel Schutz bleibt?

  • 3 Min. Lesezeit

Am 29. September 2026 diskutierten im Europäischen Parlament in Brüssel Vertreter aus Politik, Jagd, Grundeigentum und Naturschutz über den „Stresstest“ der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und der EU-Vogelschutzrichtlinie.

Veranstalter waren FACE, der europäische Jagdverband, und ELO, die European Landowners’ Organization, die Grundeigentümer, Landwirte, Forstwirte und ländliche Unternehmen vertritt. Gastgeber war Juan Ignacio Zoido (Europäisches Parlament, EVP; Präsident der Intergruppe „Biodiversität, Jagd und ländlicher Raum“). (europeanlandowners.org⁠)

Welche Interessen sollen stärker durchgesetzt werden?

Die Forderungen zielen auf mehr Berücksichtigung jagdlicher Interessen, Planungssicherheit für Grundeigentümer und zusätzliche Handlungsspielräume bei Konflikten mit geschützten Arten. (europeanlandowners.org⁠)

Aus Sicht von ANCA ist entscheidend, ob daraus politische Zugeständnisse werden, die den Schutz von Arten und Lebensräumen schwächen.

Wer fordert was – mit welchem Ziel?

Laurens Hoedemaker (FACE-Präsident, Interessenvertretung der Jagd): praktikablere Regeln und Anerkennung jagdlicher Kultur. Ziel: die Rolle der Jägerschaft stärken.

Jurgen Tack (ELO-Generalsekretär, Interessenvertretung der Grundeigentümer): Rechtssicherheit und Investitionsanreize. Ziel: langfristige private Investitionen ermöglichen.

Alex Agius Saliba (Europäisches Parlament, S&D): Jagdtraditionen und jagdliche Daten stärker berücksichtigen. Ziel: diesen Anliegen mehr Gewicht geben.

Christine Singer (Europäisches Parlament, Renew Europe): veränderbaren Schutzstatus bei erholten Beständen. Ziel: mehr Handlungsspielraum bei Nutzungskonflikten.

Auf der eigenen Website benennt EUROPARC fehlende Finanzierung, Personalmangel und unzureichende fachliche Kapazitäten als zentrale Hindernisse. Eine Schwächung der Richtlinien würde Biodiversität und menschliches Wohlergehen gefährden. (europarc.org⁠)

Schutzbestimmungen müssen durch ausreichende Mittel, Fachkompetenz und konsequente Umsetzung wirksam werden.

Wo „Flexibilität“ gefährlich werden kann

Der öffentliche Veranstaltungsbericht hält Änderungen der Richtlinien und ihrer Anhänge ausdrücklich offen. Eine beschlossene Abschwächung belegt er nicht. (face.eu⁠)

ANCA warnt vor den möglichen Folgen: Werden Ausnahmen erleichtert, Lebensraumprüfungen abgeschwächt oder Arten herabgestuft, könnten wirtschaftliche und jagdliche Interessen leichter zulasten des Naturschutzes durchgesetzt werden.

Besonders schwer könnte das geschützte Arten treffen, deren Populationen zugleich gefährdet sind. Zusätzliche Tötungen, Störungen und Lebensraumverluste könnten ihre Erholung erschweren und Schutzfortschritte zunichtemachen.

Eine lokale Bestandszunahme darf nicht vorschnell als dauerhafte Erholung gelten. Nicht tödliche Alternativen und die Auswirkungen auf die betroffene Population müssen sorgfältig geprüft bleiben.

ANCA: Die Natur darf nicht den Preis für Lobbyzugeständnisse zahlen

Für ANCA muss jede Änderung daran gemessen werden, ob sie den dauerhaften Erhalt von Arten und Lebensräumen sichert. Weniger Nachweispflichten und schwächere Kontrollen wären ein gefährlicher Preis für politischen Interessenausgleich.

Gerade angesichts von Klimawandel und Artenverlust brauchen Wildtiere intakte Lebensräume und verlässlichen Schutz. Auch eine zurückkehrende Art braucht eine Zukunft.

Angesichts von Klimawandel, Artensterben und dem fortschreitenden Verlust von Lebensräumen ist es völlig unpassend, über eine Absenkung des Schutzes und zusätzliche Eingriffe in geschützte Tierbestände zu diskutieren. Wir müssen die Erholung der Natur absichern. Jagdliche und wirtschaftliche Interessen dürfen nicht darüber entscheiden, wie viel Schutz gefährdeten Arten noch zugestanden wird.

Öffentliche Berichte und Fotos: FACE-Bericht⁠ · ELO-Pressemitteilung⁠ · ELO-Fotogalerie⁠

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