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Fuchsjagd in Österreich: Traditionsbewusstsein trotz gegenteiliger Studienlage?

  • 4 Min. Lesezeit

Angesichts der sogenannten „Nacht des Fuchses“ im Salzburger Tennengau, wo derzeit, während der Paarungszeit, Füchse und Marder traditionsbewusst zur Strecke gelegt werden, ist die Debatte um die Fuchsjagd in Österreich erneut entflammt. Was lange Zeit als notwendiger „Niederwildschutz“ dargestellt wurde, wird heute von der Wissenschaft zunehmend infrage gestellt. Der Grund dafür ist einfach: Die Annahmen, auf denen die Fuchsjagd beruhen, scheinen einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht mehr standzuhalten.

Was passiert, wenn Füchse bejagt werden?

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist eine territorial lebende Art mit ausgeprägter sozialer Struktur. Er spielt eine wichtige Rolle für die Biodiversität, indem er Populationsdynamiken von Nagetieren reguliert, durch seine Allesfresser-Natur das Nahrungsnetz stabilisiert und Bodengesundheit und Saatgutverbreitung beeinflusst. Ein zentrales Argument der Befürworter der Fuchsjagd lautet, dass der Abschuss von Füchsen deren Bestände reduziert und dadurch Hasen, Fasane oder Rebhühner geschützt würden. Wird die soziale Struktur durch intensive Bejagung jedoch gestört, reagiert die Population nicht mit Rückgang, sondern mit Anpassung. 80 % der Verluste können ausgeglichen werden. Studien zeigen, dass intensive Entnahmen oft zu größeren Wurfgrößen, höheren Fortpflanzungsraten und früherer Reproduktion führen. Verluste werden durch Einwanderung von Nachbarpopulationen ausgeglichen. Mehr Abschuss führt daher nicht zu weniger Füchsen, sondern meist zu schnellerer oder gleichbleibender Populationsdynamik. In bejagten Populationen kommt ein größerer Anteil junger Fähen zur Fortpflanzung, während in unbejagten Beständen oft nur dominante Weibchen reproduzieren.

Jagdstatistik 2024/ 2025

In den meisten Bundesländern dürfen Füchse ganzjährig bejagt werden, häufig auch nachts mit Nachtsichtgeräten und mittels Fallenfang. Jetzt in den Wintermonaten sind die Tiere für die Jäger sichtbarer. Besonders problematisch ist die Jagd während der Aufzuchtzeit, da dabei Elterntiere erschossen werden und die Jungtiere anschließend in den Bauen verhungern. Lediglich in Wien, Salzburg und Vorarlberg existieren eingeschränkte Schonzeiten für wenige Monate, während in sechs von neun Bundesländern kein gesetzlicher Schutz während der Fortpflanzungsphase besteht. Jungfüchse bräuchten beide Elterntiere bis einschließlich August! Die Jagdstatistik für das Jagdjahr 2024/25 weist insgesamt 65.975 getötete Füchse aus, wobei die höchsten Abschusszahlen in Niederösterreich, der Steiermark und Tirol verzeichnet wurden.

Ein Blick auf das sogenannte Niederwild

Die offizielle österreichweite Jagdstatistik zeigt weiters, dass Jäger selbst in massivem Ausmaß jene Arten töten, die angeblich vor dem Fuchs geschützt werden sollen. Allein im Jagdjahr 2024/25 wurden über 123.000 Feldhasen erlegt, was einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr (+ 18,1%) entspricht. Auch rund 65.000 Fasane (+21,9%) und knapp 3.000 Rebhühner (+13,0%) fielen der Jagd zum Opfer, dazu kommen zehntausende Enten und andere bodenbrütende Vogelarten. Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Pestizide, frühe Mahd und die direkte Bejagung stellen für Niederwild und Bodenbrüter eine Bedrohung dar, an die die Arten nicht bis kaum angepasst sind. Kleinräumige Schutzprojekte und die Bejagung des Fuchses stellen eine Ausnahmesituation dar! Hier ein interessanter link zu einer niederländischen Studie, die die Faktoren für den Rückgang der Botenbrüter begründet: 34,5% Landwirtschaft, 34,5% Flurbereinigung, Div. Prädatoren 13,7%, Graureiher 5,6%, Maderartige 4,7%, Bussarde 3,7%, Krähen 1,9%, Füchse 1,6%.

Fallen- und Baujagd

Ein weiterer problematischer Aspekt der Fuchsjagd ist der Einsatz der Fallen- und Baujagd. In Kasten-, Betonrohr- oder Totschlagfallen geraten Tiere häufig über Stunden oder Tage in Panik und erleiden schwere Verletzungen, bevor sie getötet werden. Bei der Baujagd werden Hunde in den Fuchsbau gehetzt, um die Fuchsfamilie anzugreifen. Unter der Erde entwickelt sich dabei ein Kampf auf Leben und Tod, eine auch für Jagdhunde äußerst qualvolle Jagdpraxis..

Füchse regulieren ihre Bestände selbst

In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 11 Jahren vollständig verboten. Entgegen vieler Warnungen kam es weder zu einer Populationsexplosion noch zu einer Zunahme von Krankheiten. Durch die Störung der Populationsdynamik und der durch die Jagd erhöhten Wanderdynamik kann sich die Infektionsrate erhöhen. Monitoringdaten aus Luxemburg zeigen stabile Bestände und teilweise sogar eine sinkende Belastung mit dem Fuchsbandwurm. In jagdfreien Gebieten hindern soziale und hormonelle Faktoren andere Füchsinnen daran, selber Nachwuchs zu bekommen. Ein Familienverband duldet keine anderen Füchse in seinem Revier.

Das luxemburgische Beispiel bestätigt, was die Forschung seit Langem beschreibt: Füchse (und auch andere Beutegreifer) regulieren ihre Bestände in stabilen Sozialstrukturen selbst, wenn man sie lässt.

Einheitliche Schonzeiten, der Verzicht auf grausame Jagdmethoden wie Fallen- und Baujagd sowie jagdpolitische Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wären ein notwendiger Schritt in Richtung eines zeitgemäßen, evidenzbasierten Wildtiermanagements. Luxemburg zeigt, dass ein solcher Weg möglich ist.

Quellen:

http://www.fuechse.info/artikel_texte/Literaturzusammenfassungen_Fuchs.pdf

https://www.tjv.at/wp-content/uploads/2025/10/Oesterreichweite-Jagdstatistik-Jagdjahr-2024_2025.pdf

file:///C:/Users/User/Downloads/Teunissenetal2005Predatiebijweidevogelsrapport2005-11.pdf

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