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Bereits am 14.10.2025 ging ein Schreiben von Generaldirektor Umwelt Eric Mamer beim Staatssekretär Flasbarth ein. Es ist ein Schreiben, das die bisherige Erzählung der Bundesregierung zum Wolf ins Wanken bringt – und gleichzeitig einige offene Punkte in der Debatte zum Erhaltungszustand des Wolfs in Deutschland überraschend klar sortiert.
Die EU-Generaldirektion Umwelt wendet sich darin direkt an Staatssekretär Jochen Flasbarth. Der Ton ist freundlich, der Inhalt deutlich. Die Kommission erinnert daran, dass der Wolf „eine der am besten untersuchten Arten in Deutschland“ ist – Datenlücken taugen also kaum als Ausrede. Zugleich macht sie die Logik der FFH-Richtlinie unmissverständlich klar: Der Erhaltungszustand muss auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Und wenn auch nur ein Bewertungsparameter – etwa das Verbreitungsgebiet – als ungünstig gilt, kann das Gesamturteil nicht „günstig“ lauten.
Genau hier kollidiert Brüssel mit der Berliner Erfolgsmeldung vom „günstigen Erhaltungszustand“ in der kontinentalen Region. Die Kommission verweist ausdrücklich darauf, dass der Wolf in Süd- und Südostdeutschland weiterhin unzureichend vertreten ist. Im Zusammenspiel mit den bereits bekannten internen BMUV-Papieren entsteht ein scharfes Bild: Während Brüssel auf ein sauberes, fachlich konsistentes Bewertungsgerüst pocht, zeigen die deutschen Unterlagen, wie Referenzwerte und das „günstige Verbreitungsgebiet“ politisch so nachjustiert wurden, dass die aktuelle Rudelzahl plötzlich ausreicht.
Für ein Ressort, das sich sonst gern auf Evidenz und Fachlichkeit beruft, ist das mehr als eine Randnotiz. Der Brief der EU-Kommission liest sich wie eine höfliche, aber sehr klare Erinnerung daran, dass Naturschutzrecht nicht zur politischen Verhandlungsmasse gehört – auch dann nicht, wenn der Druck im Wolfsdiskurs hoch ist.
Wer nachvollziehen möchte, wie groß der Abstand zwischen offizieller Erzählung und europarechtlichen Vorgaben inzwischen geworden ist, kommt an diesem Dokument kaum vorbei. Das Originalschreiben der EU-Kommission über den Erhaltungszustand des Wolfs in Deutschland sowie eine ausführliche Einordnung stehen zum Nachlesen bereit. |