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EU-Naturschutzrichtlinien unter Druck: Rund eine Million Menschen unterstützen „Hands Off Nature“

  • 3 Min. Lesezeit

Petition endet am 20. Oktober – EU-Mitgliedstaaten unterstützen Ausnahmen beim Artenschutz. Auch Österreich hat Änderungen an der FFH-Richtlinie angeregt. Umweltorganisationen warnen vor einer Schwächung europäischer Naturschutzstandards.

Wien, 19. Oktober 2026 – Rund eine Million Menschen haben sich der europaweiten Kampagne „Hands Off Nature“ angeschlossen, um eine mögliche Abschwächung europäischer Naturschutzrichtlinien zu verhindern. Die Petition endet am 20. Oktober. Bereits am 23. Oktober sollen die Unterschriften in Brüssel an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall übergeben werden.

Im Rahmen eines sogenannten „Stresstests“ überprüft die Europäische Kommission, ob die Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) ihre Naturschutzziele weiterhin wirksam und kosteneffizient erreichen und wie sich unnötiger Verwaltungsaufwand reduzieren lässt. Dabei wird auch untersucht, ob Änderungen an den bestehenden Richtlinien erforderlich sind.

„Erneut kommen Vorschläge zur Änderung der Schutzbestimmungen für gefährdete Arten aus Österreich– obwohl es hierzulande bereits massive Defizite bei der Umsetzung der bestehenden Richtlinien gibt. Statt den Schutz weiter infrage zu stellen, sollte Österreich endlich für deren konsequente Umsetzung sorgen“, kritisiert Andrea Hagn, Obfrau von ANCA.

EU-Staaten unterstützen Ausnahmen beim Artenschutz

Bereits am 1. Oktober 2026 haben sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine gemeinsame Ratsposition zur geplanten Verordnung zur Beschleunigung von Umweltprüfungen geeinigt.

Demnach könnten geschützte Tierarten bei bestimmten Projekten künftig getötet oder gestört sowie Nester und Eier beschädigt oder zerstört werden, sofern nicht näher definierte „angemessene“ Maßnahmen zur Schadensminderung ergriffen werden. Auch wiederkehrende Wartungsarbeiten und forstwirtschaftliche Tätigkeiten könnten von Ausnahmen profitieren. Zudem sollen sogenannte strategische Projekte, darunter Flughäfen, Häfen und Rechenzentren, bei Genehmigungsverfahren bevorzugt werden.

Die Vorschläge wurden ohne umfassende Folgenabschätzung vorgebracht, obwohl die Überprüfung der europäischen Vogelschutz- und FFH-Richtlinie noch läuft.

Dennoch muss das Europäische Parlament zunächst seinen Standpunkt festlegen, bevor die Verhandlungen über den endgültigen Gesetzestext beginnen.

Europas Natur bereits in schlechtem Zustand

Laut dem „State of Nature in the EU“-Bericht 2020 der Europäischen Umweltagentur (EEA) weisen 81 Prozent der bewerteten geschützten Lebensräume einen ungünstigen Erhaltungszustand auf. Auch 63 Prozent der bewerteten geschützten Tier- und Pflanzenarten befinden sich in einem ungünstigen Zustand. Bei 36 Prozent der Lebensräume mit ungünstigem Erhaltungszustand verschlechtert sich die Situation weiter.

„Was wir brauchen, sind keine schwächeren Naturschutzrichtlinien, sondern ausreichend Mittel, gut ausgestattete Behörden und eine konsequente Umsetzung der bestehenden Vorgaben“, betont Hagn.

Entscheidungen über Naturschutzrichtlinien bis 2027 erwartet

Die Unterschriftensammlung endet am 20. Oktober, die politische Auseinandersetzung über die Zukunft der europäischen Naturschutzrichtlinien geht jedoch weiter. Für den 23. Oktober ist neben der Übergabe der Petition auch ein Umsetzungsdialog der Europäischen Kommission zur Vogelschutz- und FFH-Richtlinie vorgesehen.

Der Abschlussbericht zum Stresstest wird für Ende 2026 erwartet. Im Jänner 2027 könnte die Europäische Kommission über weitere Schritte entscheiden. Ebenfalls für Jänner 2027 wird der „State of Nature in the EU“-Bericht erwartet, der aktuelle Erkenntnisse über den Zustand geschützter Arten und Lebensräume liefern soll.

„Hands Off Nature“ fordert Erhalt bestehender Schutzstandards

Die von mehr als 200 Organisationen unterstützte Kampagne „Hands Off Nature“ fordert die Europäische Kommission auf, bestehende europäische Umwelt- und Naturschutzstandards nicht abzuschwächen.

Aus Sicht der Organisationen sollten Verwaltungsverfahren durch bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Behörden, frühzeitige Planung und eine effizientere Zusammenarbeit verbessert werden, statt den Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume zu reduzieren.

Die Petition „Hands Off Nature“ kann noch bis zum 20. Oktober 2026, 12 Uhr (Brüsseler Zeit) unter https://handsoffnature.eu/ unterstützt werden.

Quellen:

HANDS OFF NATURE: https://handsoffnature.eu/

Stress test of Birds and Habitats Directives: https://green-forum.ec.europa.eu/nature-and-biodiversity/stress-test-birds-and-habitats-directives_en?prefLang=lt&utm_source=chatgpt.com

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