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Herdenschutz wirkt: Schutzhunde stoppen Wolfsangriff – flächendeckender Schutz statt Abschüsse

  • 4 Min. Lesezeit

Nauders/ St. Valentin, am 24.08.26 – Vier Lämmer wurden am vergangenen Wochenende auf einer geschützten Almweide im Bezirk Landeck von einem Wolf gerissen. Herdenschutzhunde beendeten den Angriff, vertrieben den Wolf und verhinderten weitere Verluste. Der Vorfall zeigt zweierlei: Herdenschutz wirkt – aber er kann auf Dauer nur richtig funktionieren, wenn Weidetiere in einem Wolfsgebiet flächendeckend geschützt werden. Der Abschuss einzelner Wölfe löst das Problem nicht und kann die Situation für Tierhalter erheblich verschärfen.

„Vier tote Lämmer sind vier zu viel. Gleichzeitig haben die Herdenschutzhunde genau das getan, wofür sie eingesetzt werden: Sie haben den Angriff beendet, den Wolf vertrieben und weitere Risse verhindert“, sagt Andrea Hagn, Umweltbiologin und Obfrau der Austrian Nature Conservation Alliance. „Dieser Vorfall ist kein Beleg gegen Herdenschutz, sondern ein Beleg dafür, dass er funktioniert.“

Bis zu 1.000 Schafe im Umfeld ungeschützt

Besonders problematisch ist die Situation im umliegenden Almgebiet: Während der betroffene Betrieb seine Tiere konsequent schützt, stehen nach Angaben bis zu 1.000 Schafe weitgehend ungeschützt und teilweise in verstreuten Kleingruppen. Ortskundige berichten von regelmäßigen Rissereignissen und sogar von einer Präsenz von 40 Gänsegeiern.

Damit stößt irgendwann auch der beste Herdenschutz an Grenzen. Wölfe treffen rundherum auf leicht verfügbare Weidetiere und können lernen, dass Schafe einfache Beute sind – zugespitzt gesagt werden sie mit ungeschützten Weidetieren regelrecht „angefüttert“.

„Ein einzelner Bauer kann nicht den Herdenschutz für ein ganzes Almgebiet übernehmen. Ungeschützte Weidetiere sind sogar in die geschützte Herde geflüchtet“, so Hagn. „Wer Risse nachhaltig reduzieren will, muss dafür sorgen, dass Wölfe im gesamten Gebiet lernen: Weidetiere sind keine leichte Beute.“

Nach dem Vorfall wurde die zu sichernde Weidefläche verkleinert, damit die Herdenschutzhunde die Herde noch besser kontrollieren und absichern können.

BH Landeck neunmal schriftlich auf Gefahrenlage hingewiesen

Die Gefahrenlage ist den zuständigen Behörden seit Langem bekannt. Seit dem 4. August 2025 wurde die Bezirkshauptmannschaft Landeck beziehungsweise der zuständige amtstierärztliche Bereich in insgesamt neun dokumentierten Schreiben und Auskunftsbegehren auf Rissgeschehen, ungeschützte Weidetiere, konkrete Großraubtiergefahr und die Notwendigkeit tierschutzrechtlicher Maßnahmen hingewiesen.

Das Rechtsgutachten von Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wessely, LL.M., hält fest, dass bei konkreter Gefahr ein behördliches Einschreiten erforderlich sein kann, wenn notwendige, mögliche und zumutbare Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden – erforderlichenfalls bis hin zu Teil- oder Vollabtrieb.

„Neun schriftliche Hinweise und trotzdem stehen in einem seit Jahren bekannten Wolfsgebiet weiterhin zahlreiche Schafe ungeschützt auf den Weiden. Die Frage ist nicht mehr, ob die Gefahr bekannt war, sondern warum die Weidetiere entgegen dem Tierschutzgesetz dieser akuten Gefahrenlage ausgesetzt werden“, so Hagn.

Abschuss kann die Situation für Bauern verschärfen

Nach dem aktuellen Angriff ist erneut mit Forderungen nach einem Abschuss des Wolfes zu rechnen. Doch gerade hier zeigt sich das Problem einer Politik, die Entnahmen an die Stelle von Herdenschutz setzt.
Der Wolf hat bei diesem Angriff eine entscheidende Erfahrung gemacht: Diese Herde wird verteidigt. Die Herdenschutzhunde haben ihn gestellt und vertrieben.

Wird genau dieser Wolf entnommen, wie sein Vorgänger auch, der den Herdenschutz des Betriebes kannte und akzeptierte, kommt möglicherweise der nächste unerfahrene Wolf und versucht die Weidetiere anzugreifen. Wölfe, die vor dem Vorfall in der Region geschossen wurden, hatten den Herdenschutz dieser Herde zuvor nicht überwunden.

Statt nach jedem Riss reflexartig die nächste Abschussdebatte zu führen, braucht es eine langfristige Strategie: Unterstützung der Landwirte, konsequenter Herdenschutz, koordinierte Maßnahmen im gesamten Almgebiet und behördliches Einschreiten dort, wo Weidetiere trotz bekannter Wolfspräsenz ungeschützt bleiben.

Bisher wurden für das Jahr 2025 22 Anträge auf Entschädigung für durch große Beutegreifer verursachte
Tierverluste in Nauders gestellt. Darin sind unter anderem 70 Tiere enthalten, die als abgängig gemeldet
wurden.

Quellen

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