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Neue Jagdstatistik 2025/26: Zehntausende Hasen trotz tödlicher Seuche erschossen – selbst Mauswiesel als Tier des Jahres 2026 bejagt

  • 5 Min. Lesezeit

Wien, 26. Oktober 2026 – Die aktuelle Jagdstatistik 2025/26 von Statistik Austria zeigt ein alarmierendes Bild: In Österreich wurden rund 690.500 Wildabschüsse statistisch erfasst. Zwar bedeutet dies gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 4,8 Prozent, doch bei zahlreichen (stark) gefährdeten Tierarten stiegen die Abschusszahlen. Die tatsächliche Zahl der jagdlich getöteten Wildtiere liegt dennoch höher – insbesondere fehlen gesonderte Zahlen zu EU-rechtlich (streng) geschützten Beutegreifern, Bibern und Vogelarten, die aufgrund von Verordnungen oder per behördlicher Abschussfreigabe getötet werden.

Feldhasen trotz massiver Seuchengefahr weiterhin bejagt

Der Feldhase (Lepus europaeus) steht in Österreich auf der Roten Liste in der Vorwarnkategorie „potenziell gefährdet“ (Stand 2005- Aktualisierung Anfang 2027 erwartet) und gilt in Deutschland bereits als „gefährdet“.

Im Jagdjahr 2025/26 wurden 55.605 Hasen als Fallwild (Wildverlust) registriert. Statistik Austria bringt den außergewöhnlichen Anstieg der Verluste insbesondere mit dem Myxomatose-Ausbruch 2025 in Verbindung. Wie viele Tiere tatsächlich an der Viruserkrankung starben, lässt sich aus der Jagdstatistik nicht ablesen. Gleichzeitig wurden 44.845 Hasen und 953 Wildkaninchen jagdlich getötet, wobei die Statistik Feld- und Schneehasen (Lepus timidus) nicht getrennt ausweist.

Die bakterielle Infektionskrankheit Tularämie (Hasenpest) wird auch im Zusammenhang mit der Hasenjagd diskutiert. Ein Nutzen der Hasenbejagung zur Eindämmung dieser Erkrankung ist jedoch nicht nachgewiesen.

Dr. Rudolf Winkelmayer, Amtstierarzt i.R. und ehemaliger Jäger dazu: “Weshalb die ohnehin schon durch die intensive Landwirtschaft geschwächte Feldhasenpopulation bejagen? Das ist hinsichtlich einer etwaigen Seuchenprävention nicht wirklich zielführend, zumal Nagetiere (wie Mäuse, Ratten, Wühlmäuse) als Haupterregerreservoir gelten. Die nicht jagende und auch kein Wildfleisch konsumierende Zivilbevölkerung ist hinsichtlich Tularämie ohnehin kaum gefährdet.”

Selbst das Tier des Jahres 2026 darf ganzjährig bejagt werden

Besonders widersprüchlich ist der Umgang mit dem Mauswiesel (Mustela nivalis), dem Tier des Jahres 2026. Das kleinste Raubtier der Welt ist auf die Jagd nach Mäusen, insbesondere Wühlmäusen, spezialisiert und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Kleinnagerbeständen. Dennoch darf es in Burgenland, Niederösterreich und Wien das ganze Jahr über bejagt werden – sogar während der Fortpflanzung und Jungenaufzucht. In fünf anderen Bundesländern ist das Mauswiesel hingegen ganzjährig geschont beziehungsweise von der Jagd ausgenommen; in der Steiermark gilt zumindest eine zeitlich begrenzte Schonzeit.

“Es ist aus ökologischer und tierschutzfachlicher Sicht völlig unverständlich, ausgerechnet einen so wichtigen natürlichen Mäusejäger zu töten. Statt das Mauswiesel zu verfolgen, sollten seine Lebensräume geschützt und seine Funktion im Ökosystem anerkannt werden“, kritisiert Winkelmayer.

Im Jagdjahr 2025/26 wurden österreichweit 6.380 Wiesel getötet. Die österreichische Jagdstatistik unterscheidet dabei nicht zwischen dem Mauswiesel und dem Hermelin (Mustela erminea).

EU-geschützte Vogelarten im Visier der Jagd

Im Jagdjahr 2025/26 wurden in Österreich 426 gefährdete Auerhühner und 1.446 potenziell gefährdete Birkhühner erschossen. Auerhuhn (Tetrao urogallus) und Birkhuhn (Tetrao tetrix) sind in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie als Arten angeführt, für die besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume zu treffen sind. Zugleich sind beide Arten in Anhang II Teil B gelistet, wodurch eine Bejagung in den Mitgliedstaaten unter den Voraussetzungen des Artikels 7 grundsätzlich möglich ist. Die Jagd darf die Bemühungen zur Erhaltung der Arten in ihrem Verbreitungsgebiet jedoch nicht beeinträchtigen. In Österreich werden die Tiere in der Brutzeit getötet.

Auch die Abschüsse von Rebhühnern (Perdix perdix) stiegen trotz der alarmierenden Bestandsituation (BirdLife Ampelliste rot) auf 2.575 Tiere (+1,9 Prozent). Allein im Burgenland wurden 1.396 Rebhühner, in Niederösterreich 1.027, in Oberösterreich 96 und in Kärnten 51 Rebhühner erschossen. Die Art ist vielerorts bereits vom Ausstreben bedroht.

„Erschwerend kommt bei der Rebhuhnjagd hinzu, dass die Verletzungsquote hoch ist. Rebhühner sind stets in (Familien-) Verbänden unterwegs und flüchten auch als Gruppe. Da ist es schwierig, ein Rebhuhn zu schießen, ohne weitere Gruppenmitglieder zu verwunden, die dann später an ihren Verletzungen sterben. Wie hoch diese zusätzlichen Verluste tatsächlich sind, lässt sich aus der Jagdstatistik nicht bestimmen“, erklärt Rudolf Winkelmayer.

Die Hauptursache für den Bestandseinbruch des Rebhuhns in Österreich und ganz Europa ist der Verlust von Lebensraum und Nahrung durch die Intensivierung der menschlichen Landnutzung. 

Weiters sind die Abschusszahlen von Wildgänsen (1 700; +4,6 %) und jene von Wildenten auf 28.906 (+5,8 Prozent) angestiegen.

Mehr Füchse, Marder und Dachse getötet

Auch bei kleinen Beutegreifern stiegen die Abschusszahlen: 64.369 Füchse (+6,3 Prozent), 22.910 Marder (+5,0 Prozent) und 10.953 Dachse (+10,5 Prozent) wurden erlegt. Die massenhafte Bejagung kleiner Beutegreifer wie Füchse (Vulpes vulpes) und Marder ist aus Sicht der Ökologie und des Tierschutzes nicht zu rechtfertigen: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich Fuchsbestände durch natürliche Faktoren wie Nahrungs- und Lebensraumangebot, Revierverhalten und Fortpflanzung regulieren und jagdliche Eingriffe (bis zu 80% der Population) durch Zuwanderung und höhere Reproduktionsraten ausgeglichen werden. Luxemburg zeigt seit dem Fuchsjagdverbot von 2015, dass der Verzicht auf die Fuchsjagd nicht zu einer explosionsartigen Bestandszunahme führt.

ANCA fordert Konsequenzen

ANCA fordert ein sofortiges Aussetzen der Feldhasenjagd, ein Ende der Bejagung gefährdeter und EU- rechtlich geschützter Arten im nicht günstigen Erhaltungszustand, eine wissenschaftlich und ökologisch begründete Jagdpraxis sowie eine vollständige und transparente Erfassung aller jagdlich getöteten Wildtiere.

Lebensraumverbessernde Maßnahmen der Jägerschaft sind grundsätzlich zu begrüßen. Aus Sicht von ANCA bleibt es jedoch widersprüchlich, gefährdete Arten einerseits durch Schutzmaßnahmen zu fördern und andererseits weiterhin Tiere dieser Bestände zu töten.

Quellen:

Statistik Austria (2026). Jagdstatistik 2025/26. Amtliche Statistik
Richtlinie 2009/147/EG über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten

Vögel: Rote Liste und Ampelliste

Säugetiere: Rote Liste

Baker, P. J., Harris, S. & Webbon, C. C. (2002). Effect of British hunting ban on fox numbers. Nature, 419, 34
Lieury, N., et al. (2015). Compensatory immigration challenges predator control. Journal of Wildlife Management, 79(3), 425–434.
Jiguet, F. (2020). The Fox and the Crow. A need to update pest control strategies. Biological Conservation, 248, 108693. Delcourt, J., Brochier, B., Delvaux, D., et al. (2022). Fox Vulpes vulpes population trends in Western Europe during and after the eradication of rabies. Mammal Review, 52(3), 343–359.
Administration de la nature et des forêts (2025). Bulletin technique, Nr. 10. Amtlicher Bericht Luxemburg

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